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  • Elena Flach

Yvonne Feri in den Regierungsrat


Was hat dich dazu bewogen, ein weiteres Mal zu kandidieren?

Bevor ich eine Entscheidung traf, habe ich eine umfassende Auslegeordnung gemacht und mich gefragt, ob ich weiterhin Lust und Interesse an diesem Amt habe. Dabei stellte ich mir auch die Frage, ob mein Wahlresultat im Jahr 2016 gut genug war, um nochmals anzutreten. Und ja, ich kam zum Schluss, dass ich damals genug Stimmen erhielt und eine erneute Kandidatur einen weiteren Versuch Wert ist. Natürlich habe ich auch meine persönliche Situation angeschaut, denn ich bin seit acht Jahren immer noch im Nationalrat tätig und führe nebenbei verschiedene weitere Ämter aus, nebst meiner Firma. Natürlich besteht auch ein Risiko, dass ich bei den Gesamterneuerungswahlen nächstes Jahr alles verlieren könnte. Doch für mich sind die positiven Aspekte deutlich grösser.


Warum hat es vor drei Jahren nicht geklappt?

Grundsätzlich war der erste Wahlgang bei den letzten Wahlen gut, hier kann ich nichts dazu sagen. Im zweiten Wahlgang fand jedoch zu wenig Mobilisierung der Wählerinnen und Wähler statt. Einerseits bekam ich zu wenig Unterstützung von Grünen Vertreterinnen und Vertretern, die teilweise Newsletter und Werbung für eine weitere Abstimmung ohne meinen Namen zu erwähnen verschickten. Und andererseits ging die Strategie der BDP mit Maya Bally nicht auf, was zu einer Aufsplittung der Stimmen führte und meine Chance zusätzlich schmälerte.

Wenn Frau Roth ein Mann gewesen wäre, wäre sie damals anders behandelt worden?

Ganz ehrlich, es gibt auch männliche Regierungsräte, die sich im Amt schwertun. Frau Roth war eine Quereinsteigerin mit wenig politischer Erfahrung. Ich glaube nicht, dass sie so, insbesondere von ihrer Partei, behandelt worden wäre, wenn sie einen Mann wäre. Als Mann hätte man ihr wahrscheinlich Unterstützung geboten und sie bis zum Schluss der Legislatur mitgetragen. Seit ich Politik mache, fällt mir immer wieder auf, dass wenn es um Frauen*wahlen geht, das Negative, das Fehlende, viel mehr in den Fokus rückt als bei Männern. Ebenso bekommen Frauen* immer noch zu hören, wie sie sich anziehen sollen oder werden auch viel häufiger Opfer von Drohungen resp. verbaler Gewalt.

Woher nimmst du all die Power weiter zu machen?

Politik zu machen, ist für mich unglaublich spannend, was mich motiviert, dabei zu bleiben. Klar ist es viel Arbeit und kann dadurch auch zu einer grossen Belastung werden, emotional wie auch zeitlich. Doch ich liebe Herausforderungen, brauche Abwechslung und sehe mich als Kämpferin. Da ich gut organisiert bin und auf mind. einen Abend in der Woche Freizeit bestehe, kann ich eine gute Balance halten und bin soweit auch gesund. Erst wenn etwas mit meiner Planung nicht so läuft, wie ich mir das vorgestellt hätte, komme ich in den Stress. Dies aber oftmals aufgrund von Alltagsaufgaben, wie z.B. wöchentliches Einkaufen.

Warum soll jemand wie du in den Regierungsrat?

Erstens: Ich bin eine Frau und setze mich auch für Frauen*anliegen ein. Die Energie am Frauenstreik, auch zusammen bspw. mit Bundesrätin Viola Amherd, war sehr tragend und motivierend. Die Anliegen der Männer* blende ich dabei nicht aus. Im Aargauer Regierungsrat sitzen momentan nur Männer, deshalb braucht es unbedingt auch eine weibliche Perspektive. Zudem sehe ich mich als kompetent und bringe einen grossen professionellen Rucksack mit, der mich für dieses Amt qualifiziert. Ich habe das Handwerk von Grund auf gelernt. Ich bringe andere Aspekte des Lebens mit ein, wie z.B. die Erfahrung als unkonventionelle Person und alleinerziehende Mutter. In einer Regierung, aber auch im Parlament ist es sehr wichtig auch andere Lebensformen miteinzubeziehen. Mit der momentanen bürgerlich, traditionell, männlichen Regierung ist dies nur zu einem kleinen Teil der Fall.

Was sind die ersten Aufgaben die du im Regierungsrat erledigen/angehen wirst?

Ganz wichtig zu Beginn der Amtszeit ist die Wissenssicherung und Teambildung im Generalsekretariat. Es sind voraussichtlich noch Stellen zu besetzen, wozu es viel Fingerspitzengefühl braucht. Pendente Dossiers müssen wieder auf die politische Agenda gesetzt werden. Bestimmt werde ich möglichst bald den Kontakt zu den Grossratsfraktionen und den Gemeinden suchen. Und die Alltagsgeschäfte werden nicht warten. Es wird vom ersten Tag an viel zu tun geben!

Wie viel Gewicht gibst du der Gleichstellungspolitik, wenn du im Regierungsrat bist?

Um etwas zu erreichen, braucht es immer eine Mehrheit im Regierungsrat, weshalb es wohl nicht einfach wird, das Thema Gleichstellung weiterzubringen. Ich werde aber immer wieder hartnäckig auf das Thema hinweisen und plädiere für unsere Bundesverfassung, die sagt, dass Frauen* und Männer* gleichgestellt sind. Persönlich wäre mir wichtig, dass die Verwaltung über die Bücher geht. Bei einer Anstellung muss bei gleicher Qualifikation eine Frau* gewählt werden. Auch die Fachstelle Alter und Familie muss ihren Auftrag nochmals genau überprüfen, um sich gezielt für Gleichstellungsthemen einzusetzen. Glücklicherweise rückt das Frauenhaus Aargau Solothurn aktuell wieder in den Fokus der Politik und ich werde mich auch ganz bestimmt dafür einsetzen. Zudem plane ich eng mit der SP Fraktion zusammenzuarbeiten – nicht nur bei diesem Thema.

Bist du ein Vorbild für andere Frauen*?

Ja, das höre ich ab und zu von anderen Frauen*. Sie sagen mir, dass sie mich bewundern, meine Arbeit sehr wichtig ist und ich unbedingt weiter machen soll. Für meinen Töchtern bin ich wohl weniger ein typisches Vorbild, doch ich sporne sie sicher an, ehrgeizig zu sein und sich für die eigenen Interessen einzusetzen. Grundsätzlich spielt es mir jedoch keine Rolle, ob ich Vorbild bin, denn ich nehme mich selber nicht so wichtig und bin eher bescheiden, was das anbelangt. Es gibt viele andere Frauen* die ebenso als Vorbild dienen. Natürlich freue ich mich über positive Rückmeldungen, jedoch steht die Sachpolitik bei mir viel mehr im Vordergrund.

Vielen herzlichen Dank für das Interview.

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